„Wir müssen alles dafür tun, dass es nie wieder zu einem Krieg kommt“

Rietberg-Westerwiehe. Mit einem eindringlichen Appell für Frieden und dem Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt hat der stellvertretende Brudermeister Christian Schlingschröder am Schützenfestmontag am Ehrenmal neben der Pfarrkirche die traditionelle Ansprache der Schützenbruderschaft St. Laurentius Westerwiehe gehalten. Dabei spannte er den Bogen von der Freude über das Schützenfest bis zur Verantwortung, die Erinnerung an die Gefallenen wachzuhalten.

Mahnende Worte des stellvertretenden Brudermeisters

Schlingschröder stellte seine Rede unter die drei Leitbegriffe Feiern, Veränderung und Tradition. Diese gehörten untrennbar zusammen und prägten das Leben jedes Menschen ebenso wie das Leben einer Dorfgemeinschaft. Dass in Westerwiehe gefeiert werden könne, habe die Gemeinschaft in den vergangenen Jahren mit den Jubiläen der Schützenbruderschaft und des Musikvereins eindrucksvoll bewiesen. „Feiern gehört zu unserem Leben“, sagte der stellvertretende Brudermeister. Zugleich sei jedes Fest auch Ausgangspunkt für Veränderungen – manchmal im Kleinen, manchmal mit weitreichenden Folgen.

Als Beispiele nannte Schlingschröder Veränderungen innerhalb des Musikvereins, aber auch die Veränderungen, die jeder Mensch im Berufs- und Familienleben erfahre. Vielleicht, so sagte er, seien sogar die Gründung des Musikvereins oder der Schützenbruderschaft aus einer geselligen Runde heraus entstanden. „Denn wenn man feiert, dann kommt man auf Ideen, die Veränderung mit sich bringen“, erklärte er. Traditionen seien deshalb nicht statisch, sondern entwickelten sich aus Veränderungen heraus.

„Sie haben den höchsten Preis bezahlt, den man sich vorstellen kann“

Vor dem Ehrenmal richtete Schlingschröder den Blick anschließend auf die Gefallenen der beiden Weltkriege. Die dort eingravierten Namen erinnerten an Westerwieher, die ihre Heimat verlassen mussten und nicht zurückkehrten. Er regte die Zuhörer dazu an, darüber nachzudenken, wie deren Leben verlaufen wäre, wenn sie nie hätten in den Krieg ziehen müssen. Sie hätten das Dorfleben mitgestalten, im Musikverein musizieren oder die Schützenbruderschaft bereichern können, sagte er. Stattdessen hätten sie „diese Veränderung mit dem höchsten Preis bezahlt, den man sich vorstellen kann: mit ihrem Leben“. Auch für ihre Familien habe dies unvorstellbare Einschnitte bedeutet.

Tradition und Veränderung gehören zusammen

Die Namen auf dem Ehrenmal seien deshalb weit mehr als eine Aufzählung vergangener Schicksale, machte Schlingschröder deutlich. Sie seien Mahnung und Verpflichtung zugleich. „Wir müssen alles dafür tun, dass es hier nie wieder zu einem Krieg kommt“, sagte er. In das Gedenken schloss er außerdem die Opfer des brutalen Anschlags vom Wochenende in Berlin ein. Die Gedenkfeier am Schützenfestmontag sei seit vielen Jahren fester Bestandteil des Westerwieher Schützenfestes und halte die Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewalt lebendig. Zum Abschluss griff Schlingschröder noch einmal den roten Faden seiner Rede auf. Feiern, Veränderungen und Traditionen seien eng miteinander verbunden. Traditionen entstünden nicht von selbst, sondern entwickelten sich aus Veränderungen, die Menschen gemeinsam gestalteten. Mit den Worten „Lasst uns gleich weiter feiern, damit es eine Veränderung gibt und diese Veränderung dann eine Tradition werden kann“, leitete er zum weiteren Verlauf des Schützenfestes über.